Von Proptechs lernen

Etablierte, professionell aufgestellte Unternehmen rund um die Immobilie und ihre Dienstleister starten digitale Initiativen und transformieren ihr Kerngeschäft. Sie sind dabei nicht allein. 208 Proptechs – Start ups rund um die Immobilie – zählt Jonas Haberkorn auf www.gewerbe-quadrat.de im Mai 2018. Proptech bezeichnet „an economic industry composed of companies which use technology to make real estate transactions more efficient“ lesen wir auf Wikipedia. Im angelsächsischen Raum sprechen wir dagegen meist von Rest Estate Tech Startups.

Beide Unternehmenskategorien können viel voneinander lernen und voneinander profitieren. Eines der zentralen Ergebnisse einer gemeinsamen Studie zum Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft der ZIA und Ernst & Young aus 2016 ist, dass die Proptech-Szene dazu beitragen können, den Umsatz etablierter Marktteilnehmer signifikant zu erhöhen.

Etablierte Proptechs haben unsere Branche bereits massiv verändert. Vorreiter waren der heute größte Marktplatz für Immobilien immobilienscout24.de oder Europace, der Finanzmarktplatz der Hypoport AG. Auch die Vermietung von Unterkünften über Airbnb hat unsere Branche  verändert.

Proptechs in Deutschland

Die folgenden Kategorien kennt die bekannteste Übersicht über Proptechs in Deutschland heute:

  • Immobilienportale und Marktplätze (42)
  • Immobilienvermietung und -verkauf (35)
  • Temporäre Vermietung (21)
  • 3D / AR / VR (33)
  • Datenbanken (15)
  • Datenräume (14)
  • Crowdfunding (21)
  • Smart Building/Internet of Things (40)
  • Immobilienmanagement (27)
  • Services (25)

Blick über den Teich

Während in Deutschland bis heute nur wenige Proptechs Prozesse rund um die Immobilie verändert haben, sind die Veränderungen im angelsächsischen und asiatischen Raum schon viel weiter. Omri Barzilay zählt in seinem Beitrag auf forbes .com im Januar 2018 weltweit 1.274 Real Estate Tech Startups mit einem kumulierten Investment von 33,7 Mrd. Dollar. Zu den vielversprechendsten jungen Unternehmen zählt er dabei die folgenden zehn:

  • Avail (vormals Rentalutions) bringt Mieter und bis heute 200.000 private Vermieter zusammen, stellt Werkzeuge  zur Vermietung zur Verfügung und vereinfacht die Verwaltung der Mieten.
  • Dealpath unterstützt Investoren im Transaktionsprozess. Gegründet  in 2014 meldet das Start-up mittlerweile ein kumulierten Transaktionsvolumen von 500 Milliarden. und bezeichnet sich selbstbewußt als leading deal management platform.
  • Rentberry geht sogar noch weiter als Avail und automatisiert den Vermietungsprozess mit Automatismen zur Preisfindung und digitalen Mietverträgen. 250.000 Wohnungen werden mittlerweile mit Rentberry verwaltet.
  • Einen ganz neuen Ansatz, Parkplätze optimal auszulasten und andererseits Autofahrern preiswert Parkraum anzubieten, hat WeSmartPark umgesetzt. Verfügbar ist dieser Service für Vermieter von Parkraum und Garagen in Barcelona, Madrid, Santiago und New York.
  • Workframe bringt Mieter, Vermieter, Makler, Architekten, Project Manager und Facility Manager auf ihrer Plattform zusammen. Hier lassen sich Projekte und andere Herausforderungen rund um die Immobilie gemeinsam planen und umsetzen und auch Kleinstaufträge können schlank abgewickelt werden.
  • Untermiete wird zum Geschäftsmodell mit Flip. Dabei erledigt die Plattform nicht nur die Untervermietung, garantiert dem Hauptmieter eine Miete, sondern deckt auch eine rechtssichere Abwicklung gegenüber dem Vermieter ab.
  • Nicht gefallen dürften Maklern Reali. Kaufinteressenten finden damit ihre neue Immobilien,  sie können sie virtuell und vor Ort besichtigen und viel mehr. Dabei bewirbt das Unternehmen den Ansatz mit einem Cashback von 50 Prozent auf die Maklercourtage für den Käufer.
  • Recht neu am Markt ist Bowery, eine Plattform die Prozesse rund um Gutachten und Wertermittlungen für Banken weitgehend digitalisiert.
  • Rented.com ist ein Service, der dein Zuhause vermietet, wenn du nicht zuhause bist. Dieser Service wird versüßt mit einer garantierten Miete.
  • Chromaway entwickelt seit 2014 Lösungen für Prozesse rund um die Immobilie mit Hilfe der Blockchain – eine Art virtuelles verteiltes Hauptbuch. Das schwedische Unternehmen mit Dependancen in Israel und den Vereinigten Staaten unterstützt seine Partner dabei mit einem auf die Immobilienwirtschaft spezialisierten Token und einer eigenen Middleware.

Aus dem Land des Lächelns

Einen rasanten Veränderungsprozess erlebt derzeit die chinesische Gründerszene. Lange galten Chinesen als risikoavers. Das ändert sich gerade und zwei der weltweit drei am höchsten finanzierten Proptechs kommen mittlerweile aus China. Das Silicon Valley kann sich eine Scheibe abschneiden von der Innovationskraft made in China.

Hier einige Beispiele:

  • Kaum noch erklären muss man Opendoor. Wer sein Eigenheim oder seine Wohnung aufgibt, hat oft wenig Lust, sich um den Verkauf, Renovierung und Verhandlungen zu kümmern. Opendoor ersetzt nicht nur den Makler, sondern macht gleich ein eigenes Angebot, zahlt in wenigen Tagen den Kaufpreis. Der Verkäufer kann sich nun um die Dinge kümmern, die vor ihm und nicht hinter ihm liegen. Das chinesische Startup hat Amerika längst erobert.
  • Top Unicorn in China im Real Estate Tech Segment ist der Marktplatz lianji. Hier finden Käufer und Verkäufer, Mieter und Vermieter und Anbieter von Finanzierungen zusammen und alles was rund um Vermietung und Kauf benötigt wird. Investoren von lianjia sind unter anderem Baidu und Tencent, beides wichtige digitale Ökosysteme in China.
  • Tujia.com wird oft verglichen mit AirBnb. Mit 300.000 Angeboten für Reisende ist ist tujia bereits heute global. Die Strategie dabei ist einfach: Gehe dorthin, wohin die Chinesen reisen. Chinesen in Berlin vermieten an Chinesen, die ihren Urlaub in Berlin verbringen. So gelingt auch der Sprung nach Europa und Amerika.

Ein Ausblick

Wir sehen, dass heute immer mehr etablierte Unternehmen sich an Proptechs beteiligen oder eigene, rein digitale Lösungen und neue Ökosysteme anbieten. Mit eigenen Lösungen erfolgreich zu sein ist für die Etablierten nicht einfach. Der Anspruch ist oft viel zu hoch. Klein anzufangen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ist eines der Geheimrezepte der Startups.

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