Hypoport kann Agil und Plattform

Das Hypoport Ökosystem umfasst Unternehmen, Portale und Angebote rund um das Versichern, Anlegen, Kaufen, Finanzieren, Bewerten, Beraten und Vorsorgen.

Was passiert da gerade  in Berlin und Lübeck? Seit dem rasanten Aufstieg der Scout-Gruppe haben sich nur noch amerikanische Plattformen und Ökosysteme erfolgreich um unsere Märkte bemüht. Fast unbemerkt entwickelt sich Hypoport zu der zentralen Drehscheibe rund um das Versichern, Anlegen, Kaufen, Finanzieren, Bewerten, Beraten und Vorsorgen. Selbstbewußt titelt die Hypoport AG dazu auf ihrer Website: “ Hypoport – agil wie ein Startup, erfolgreich seit 1954.

Ein Blick zurück

Dr. Klein hat sich in seiner sechzigjährigen Firmengeschichte früh aufgemacht und wurde in den Neunzigern zum bedeutendsten Online-Service für Baufinanzierungen. Europace startete 1999 als elektronischer Marktplatz zur Abwicklung von Finanzprodukten zwischen Finanzvermittlern, Banken und Versicherungen.

Nach der Fusion von Dr. Klein, Europace und dem Franchise System Freie Hypo zum Hypoport Konzern folgte 2007 der Börsengang und es folgte nach verhaltenem Beginn eine fulminante und von vielen nicht erwartete Erfolgsstory. Hypoport setzt mit seinen mittlerweile mehr als 1.200 Mitarbeitern konsequent auf eine Viel-Marken-Strategie und kooperiert mit strategischen Partnern mit White-Label-Lösungen, z.B. mit FINMAS und Genopace bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Die Finanzierungsplattform unterstützte zunächst Banken, Bausparkassen und Sparkassen, Finanzierungsvermittler, Immobilienmakler und Endkunden in allen Prozessen rund um die Finanzierung. Heute ist Europace die führende Transaktionsplattform für Finanzierungsprodukte, über die monatlich 35.000 Transaktionen abgewickelt werden. Der mit interhyp.de einzige ernsthafte Mitbewerber ist  Teil der ING Diba und damit nicht mehr bankenunabhängig.

Erweiterung des Geschäftsmodells

Mit zahlreichen Akquisitionen und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung vertieft das Hypoport Management rund um CEO Ronald Slabke die Wertschöpfung in diesen Prozess nun. Das Geschäftsmodell wird übertragen auf die Immobilien- und die Versicherungswirtschaft und erweitert um Services wie beispielsweise Immobilienbewertungen, Kernsysteme für Immobilienmakler, Versicherungen, Wohnungsunternehmen und Hausverwalter, Informations- und Portfoliomanagementsysteme bis hin zu Zahlungsverkehrslösungen oder Informationsdisplays für den Immobilienvertrieb bei Banken und Immobilienmaklern .

Damit wird aus dem etablierten und mittlerweile börsennotierten Fintech Hypoport jetzt auch ein Insurtech und ein Proptech, aber mit seinen sechzig Jahren auf der Uhr alles andere als ein Startup.

Das Management hinter der Erfolgsstory

Dipl.-Betriebswirt (BA) Ronald Slabke, Vorstandsvorsitzender der Hypoport AG
Dipl.-Betriebswirt (BA) Ronald Slabke, Vorstandsvorsitzender der Hypoport AG

Ronald Slabke ist der Kopf hinter der Digitalisierung von Dr. Klein. Er verantwortete Ende der neunziger Jahre  den ersten Online-Hypothekenmakler und die Weiterentwicklung der Europace-Plattform nach dem Zusammenschluss.

Dipl.-Betriebswirt Stephan Gawarecki, Vorstandsmitglied der Hypoprt AG (Quelle hypoport.de)
Dipl.-Betriebswirt Stephan Gawarecki, Vorstandsmitglied der Hypoport AG (Quelle hypoport.de)

Stephan Gawarecki baute bei FinanceScout24 den Geschäftsbereich Versicherungen auf und wechselte 2004 zu Dr. Klein. Heute verantwortet Stephan Gawarecki das Privatkundensegment bei Hypoport mit den Bereichen Versicherungen, Finanzierung und Geldanlage.

Hans_Peter_Trampe, Vorstandsmitglied der Hypoport AG
Dipl.-Kaufmann Hans Peter Trampe, Vorstandsmitglied der Hypoport AG (Quelle hypoport.de)

Hans Peter Trampe kam 2001 von der Deutschen Kreditbank zu Dr. Klein. Heute verantwortet er im Vorstand den Geschäftsbereich der institutionellen Kunden.

Was macht eine erfolgreiche Plattform aus?

Es gelingt in den wenigsten Geschäftsfeldern, dass mehrere bedeutende Plattformen in einem Ökosystem parallel bestehen. Selbst in zwei der größten Ökosysteme gelingt es nur zwei Anbietern. Im Mobilfunk  sind dies Google (mit Android) und Apple (mit iOS) und bei PC/Notebook-Betriebssystemen sind dies Microsoft und Apple. 1:0 Hypoport. Mitbewerber sind nicht ernsthaft am Horizont auszumachen.

Die zentralen Funktionen eines erfolgreichen Ökosystems sind die Vermittlung von Transaktionen (Information, Suche, Angebot, Nachfrage, Bewertung und Reputation) und das Schaffen eines datenzentrierten Gesamtsystems (Bedienung, Daten aufbereiten und bewerten, Komponenten zertifizieren, Henne-Ei-Problem auflösen). 2:0 Hypoport. Genau dieses Modell steht im Mittelpunkt und Europace wird zur Datendrehscheibe.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren hierzu sind:

  • Die Bedienung mehrseitiger Märkte
  • Ein funktionierendes Finanzierung- und Erlöskonzept
  • Die Offenheit der Plattform
  • Die Unabhängigkeit der Plattform
  • Der Kontakt zu den Marktteilnehmern
  • Die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells

Schauen wir uns das Kunstwerk Hypoport einmal in Bezug auf diese sechs Faktoren an:

  • Tatsächlich gelingt es wenigen Plattformen mehr unterschiedliche Branchen und Marktteilnehmer auf eine Plattform zu bringen. Dass wir bei Hypoport die Vermittler und Makler, die anbietenden Banken, Sparkassen, Versicherungen und Wohnungsunternehmen und dann auch noch den Privatkunden auf einer Plattform finden, ist etwas Besonderes. Dies gelingt trotz oder möglicherweise gerade wegen der Multi-Marken-Strategie.
  • Die Deckungsbeiträge der Hypoport AG liegen mit 13-15 Prozent deutlich unter denen anderer digitaler Dienstleister. Mit Blick auf deutlich sinkende Margen und schwierigste Rahmenbedingungen in der Finanz- und Versicherungswirtschaft geht es Hypoport dabei exzellent. Das Unternehmen wächst massiv gegen den Markttrend. In den Segmenten Immobilie und Versicherung fehlt es zudem an Mitbewerbern, die technologisch und vom Geschäftsmodell her auf Augenhöhe mitspielen.
  • Über White Label Produkte, getrennte Communities und organisatorische Trennung der Tochterunternehmen gelingt Offenheit, auch wenn die Anbieter oft aus den größten Wettbewerbslagern kommen.
  • Zunehmend kommen mehr Wertschöpfungsbausteine aus dem eigenen Haus und nicht von Dritten. Inwieweit beispielsweise Dritte gleichberechtigt als Anbieter einer Immobilienbewertung Gehör und Zugang finden, gilt es zu beobachten. Eine Unabhängigkeit finden wir mittlerweile wohl nicht mehr durchgängig.
  • Beeindruckend ist, wie Europace den Kontakt zu ihrer Community pflegt. Seit vielen Jahren ist die Dr. Klein AG und die Europace auf unterschiedlichsten Veranstaltungen der Hypoport und der Verbände Gastgeber, Dauergast, Dauerredner, Dauersponsor und Dauerpartner.  In die Wohnungswirtschaft und die Finanzwirtschaft besteht ein exzellenter Kontakt. Entwicklungspotenzial gibt es diesbezüglich wohl noch in der Versicherungswirtschaft.
  • Skalierbarkeit ist grundsätzlich erst einmal gegeben. Der technische und organisatorische Integrationsaufwand der vielen Akquisitionen und der damit verbundenen Produkte aus der Gruppe ist jedoch erheblich. Perspektivisch ist weit und breit aber niemand zu sehen, der vergleichbar mit Hypoport einen großen Teil der Wertschöpfungskette seiner Partner abdeckt und dabei so viele unterschiedliche Anknüpfungspunkte für gegenseitige Mehrwerte zwischen den einzelnen Lösungen hat.

Also nur zwei Wermutstropfen: Marge und die offenen Integrationsthemen für ein durchgängig skalierbares Geschäftsmodell haben noch Luft nach oben. 8:2 Hypoport. Ich ziehe meinen Hut. Das Management macht vieles richtig.

Europa fährt nur Holzklasse

Daumen nach oben also erst einmal für Hypoport. Bei einem nationalen Vergleich kommt das 60 Jahre alte Fintech immer noch sehr gut weg. Doch den Takt geben andere an. Europa fährt weit hinterher im internationalen Vergleich und es ist nicht ausgeschlossen, dass Afrika demnächst an Europa vorbei zieht. Der bekannte Netzökonom Holger Schmidt bezeichnet dies als die Unwucht der Plattformökonomie.

Die Unwucht der Plattform-Ökonomie (Quelle platformeconomy.com)
Die Unwucht der Plattform-Ökonomie (Quelle Dr. Holger Schmidt netzoekonom.de)

Wie besonders das Vorgehen der Hypoport AG ist, zeigt das dramatische Ergebnis einer repräsentativen Unternehmensbefragung von Bitkom Research aus Februar 2018. Nur 2 von 100 Dienstleistungsunternehmen betreiben eine eigene Plattform, über die Hälfte der Befragten kann mit dem Begriff nichts anfangen.

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Hypoport auf Expansionskurs

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Hypoport auf Expansionskurs

Im Quartalsbericht Q1 2018 erläutert Slabke die jüngsten Akquisitionen. Bei mir kommt dabei fast das Gefühl auf, dass das Management die Vision der führenden ganzheitlichen Plattform rund um das Finanzieren, Bauen, Kaufen, Verkaufen, Vorsorgen, Bewerten, Beraten und Versichern wie mit Legobausteinen umsetzt.

Insbesondere die Produkte für institutionelle Kunden profitieren von den Produkten der Value AG und der Fio AG. Die Value AG rundet die Kompetenzen rund um das Bewerten für die Hypoport-Plattform nach oben ab. Die bereits 2016 akquirierte HypService GmbH hat ihren Schwerpunkt im Segment Verbraucherdarlehen. Die Value AG hat ihre Stärken in Markt- und Verkehrswertgutachten sowie komplexen Portfoliobewertungen.

Synergien ergeben sich da zunächst zu den Produkten der Dr. Klein Firmenkunden AG, wie beispielsweise mywowi, einem Management Informationssystem für die Wohnungswirtschaft.

Auch auf den Erfolg der 2018 übernommene Fio AG zahlt diese Akquisition ein. Das neue cloudbasierte ERP Produkt für die Wohnungswirtschaft Axera ist neben dem neuen SAP-Produkt Cloud for Real Estate (C4RE) die mit Abstand modernste Lösung für Wohnungsunternehmen und Hausverwalter. Beide Lösungen decken noch nicht alle Prozesse der Wohnungswirtschaft ab, haben aber deutliche Vorteile in der Architektur. Prozesse lassen sich einfacher, effizienter und schneller  digitalisieren und die Wettbewerbsprodukte sind technologisch durchweg überaltert.

Die Vermarktungsinstrumente der Fio sind bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken weit verbreitet. Die Synergien mit den Europace Ablegern Genopace für Genossenschaftsbanken und Finmas für Sparkassen liegen dabei auf der Hand. Die komplette Wertschöpfungskette von der Vermarktung mit den Werkzeugen von Fio, der Bewertung mit nun Deutschlands größtem Immobilienbewerter (HypoService und Value AG), Vertrag, Hintergrundsystem und Finanzierung gibt es nun aus einer Hand und auch größere Transaktionen kann Hypoport mit der Value AG nun unterstützen.

Hypoport Quartalsreporting 2018Q1 (Quelle hypoport.de)
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Langfristig sind die Ziele des Unternehmens durchweg ambitioniert. Im Versicherungsgeschäft sollen in zehn Jahren zehn Prozent des Policenbestandes (heute 200 Mrd. Prämienvolumen) über Hypoport abgewickelt werden. In den anderen Bereichen zeigen die Umsatzzahlen ebenfalls deutlich nach oben bei durchweg positiven Margen.

Hypoport kann Win-Win-Win

Was macht Hypoport anders? Aus meiner Sicht versteht sich Hypoport insbesondere darauf, die Prozesse und Bedürfnisse aller Seiten abzubilden. Alle Beteiligten profitieren von der neuen Dimension der Effizienz, der Geschwindigkeit und des Zusammenspiels.

Lücken sind diesbezüglich beim Privatkunden auszumachen. Im Gegensatz zu den ausgereiften Tools für private Immobilienkäufer machen die Produkte zum Vergleich und Abschluss von Versicherungsprodukten (iSniver) einen unausgereiften Eindruck. In das Portal von vergleich.de sind sie ebenfalls noch nicht integriert. Und auch dieses Portal erreicht seine Zielgruppe nur eingeschränkt. Im Google Pagerank für Begriffe wie Baufinanzierungen oder Kredit kommt vergleich.de nicht einmal unter die Top 100.

Hat das System? Ein großer Teil der Unternehmen, die im Google Pagerank besser positioniert sind als vergleich.de, sind Kunden und Partner von Hypoport. Auch die Versicherungen und Versicherungsmakler müssen die Marke iSniver derzeit nicht fürchten. Aktuell ist nur eine Autoversicherungs-App verfügbar und die ist für Privatkunden denkbar ungeeignet.

Hypoport kann agil

Für einen etablierten sechzig Jahre alten Player rund um Finanzen, Versicherung und Immobilie ist Hypoport heute ein immer noch oder wieder erstaunlich junges, modernes Unternehmen.  In vielen Bereich wird eine offene und positive Du-Kultur gelebt.  Die versprochene und die gelebte Unternehmens- und Führungskultur weichen deutlich weniger voneinander ab als in vergleichbaren Unternehmen.

Vergleichen wir die beiden großen Player rund um Portale, so kommt Hypoport bei den Mitarbeitern deutlich besser weg als Scout24. Scout24 kommt beispielsweise bei kununu.de, dem Portal für Arbeitgeberbewertungen, nur auf einen Score von 3,40 und eine Weiterempfehlungsquote von 41 Prozent. Hypoport kommt auf 4,20 und 83 Prozent Weiterempfehlungsquote. Mehr als ein Klassenunterschied für zwei Unternehmen, die sich gerne als mitarbeiterzentrierter, agiler, moderner und familienfreundlicher Arbeitgeber sehen.

Hypoport kununu
Hypoport bewertet bei  kununu (Quelle kununu.de)

Die Analysten sind begeistert

Offen wird die im Kleinwertesegment SDAX gehandelte Hypoport AG mittlerweile als Kandidat für höhere Weihen gehandelt (Handelsblatt 4.10.2017). Trotz vieler Investments steigert Hypoport Umsatz und Ergebnis und auch die Marge. Gegenüber dem DAX liegt Hypoport auf Jahresfrist zwanzig Prozent vorne.

Hypoport schlägt DAX im Performance Vergleich um 20 Prozent
Quelle Handelsblatt

Ein skalierbares digitales Geschäftsmodell und der Ausblick, dass Hypoport Ordnung in den Flickenteppich veralteter Produkte für Versicherungen bringt, erfreuen die Börsenanalysten und treiben die Phantasie. Mit Blick auf zurückgehende Margen für Makler und Vermittler und damit einem zunehmendem Druck effizienter zu werden, ist dies wohl zu erwarten. (www.maklerkonzepte.de am 12. Januar 2017).

Ich bin beeindruckt. Wie bewertest du die Strategie der Hypoport AG und wo siehst du ihre Stärken und ihre Schwächen? Ich freue mich auf deine Rückmeldung.

Von Hühnern und Schweinen in der Unternehmenskultur

pig or chicken - involved or committed

Was können wir für eine moderne Unternehmenskultur von Scrum und agilen Methoden lernen? Jeff Sutherland, Mitbegründer der agilen Softwareentwicklung erläutert in seinem Buch Die Scrum Revolution, wie ein Witz vom Schwein und dem Huhn , die ein Restaurant gründen wollen, übertragen auf die agilen Methoden angewendet wird.

Ken Schwaber – einer der Väter des Scrum – brachte den Witz von den Schweinen und den Hühnern in  die Scrumlehre ein. Er und Jeff Sutherland übernahmen sie später mit in das gültige Scrum-Regelwerk, dem Scrum Guide. Beide prägen mit ihrem Werk das Führungsverständnis und die Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter.

Jeff Sutherland und Ken Schwaber
Jeff Sutherland und Ken Schwaber

Ein Huhn und ein Schwein gehen gemeinsam spazieren. Sagt das Huhn zum Schwein: „Hey Schwein, ich finde, wir sollten ein Restaurant eröffnen.“
„Wie sollen wir es denn nennen?“, fragt das Schwein.
„Wie wär’s mit Ham ’n‘ Eggs?“ antwortet das Huhn.
„Nein danke“, antwortet das Schwein, “ Da wäre ich verpflichtet, aber du nur beteiligt!“

Jeff Sutherland erklärt uns: „Schweine sind diejenigen, die sich dem Projekt voll verpflichtet fühlen, die Projektmitarbeiter. Die Hühner sind jene, die über die Fortschritte informiert werden, also die Stakeholder.“

Seit vielen Jahren ist die Lehre von den Hühnern und den Schweinen aus dem Scrum-Regularien verschwunden, wird aber oft noch verwendet. Der Vergleich ist einfach nicht zeitgemäß. Wer möchte schon gerne das Huhn oder das Schwein sein. Beide Begriffe sind nicht positiv belegt. Doch im Kern bleibt diese kleine Geschichte eines der zentralen Elemente aller agilen Methoden und wurde zum Leitmotiv für ein neues Führungsverständnis und eine moderne Unternehmenskultur.

„Planung ist nützlich, doch das blinde Verfolgen von Plänen ist dumm“, schreibt Sutherland in seinem neuesten Werk. Wer Teil eines Teams ist, das gemeinsam Verantwortung für den Erfolg trägt, prüft regelmäßig mit den Kollegen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.

Plan – Do – Check – Act


Diagram by Karn G. Bulsuk (http://www.bulsuk.com)

Der Demingkreis beschreibt einen vierphasigen Prozess. Plan – Do – Check – Act. Die frühe Erkenntnisse aus dem Qualitätsmanagement und dem Prozess der kontinuierlichen Verbesserung (KVP) hat auch Eingang in die kundenzentrierten effizienten agilen Methoden gefunden. Wir wissen es aus dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Es ist ein zentrales Erfolgsgeheimnis, dass diejenigen, die in dem Prozess arbeiten, die unbeeinflußte Kompetenz zur Weiterentwicklung eines Prozesses haben müssen.

Command and Control führen immer noch in vielen Teams und Projekten zu verheerenden Fehlentwicklungen. Entgegen der vereinbarten Unternehmenskultur halten hochqualifizierte Mitarbeiter an überkommenen Vorgaben, alten Ritualen und Ergebnissen aus projektfremden Meetings fest. Manchmal betreten sogar wider besseren Wissens Stakeholder die Bühne, übernehmen Verantwortung, treffen Entscheidungen und bewirken in einer zunehmend komplexen Welt, dass das Projektteam aus seiner Verantwortung herausgeht beziehungsweise herausgehen muss.

Agile Werkzeuge in der Unternehmenskultur

Nach solchen Interventionen werden wichtige Entscheidungen eben nicht mehr im agilen Kernteam getroffen. Wenn ab jetzt etwas falsch läuft, liegt die Entscheidung woanders. „Jeder wusste, dass das so nicht gehen konnte“, hören wir hinterher. Keiner hat reagiert und wir suchen die Schuld bei den Durchführenden. Angepasst an das System Command and Control haben die Projektmitarbeiter keinen Fehler gemacht. Sie handelten im herkömmlichen Sinne nach Vorschrift und damit richtig. Die Auswirkungen sind umso schlimmer.

Fehler früh zu machen und zu korrigieren könnte so einfach sein. Mit unserem althergebrachten Führungsverständnis stehen wir uns allerdings oft selbst im Weg und verhindern den Erfolg des Teams. Die Führungskraft oder der Stakeholder will den einen Fehler verhindern oder nur schnell auf wichtige Erkenntnisse aus der Vergangenheit verweisen und wird damit zur Ursache für die Aufgabe des Commitments durch das Team. Eine konsequente Anwendung agiler Methoden und ihre Integration in unsere Unternehmenskultur kann da hilfreich sein.

Erfolg mit zufriedenen Mitarbeitern

Hast du schon einmal etwas von den Gallup Q12 gehört? Gallup ist eines der führenden Meinungsforschungsinstitute und hat früh den Zusammenhang zwischen Engagement der Mitarbeiter, Führungsverständnis und Unternehmenserfolg herausgearbeitet. Gallup Q12 ist ein Werkzeug von Gallup, mit dem das Engagement von Mitarbeitern und ihre Identifikation mit dem Unternehmen gemessen wird und die Ergebnisse geben Rückschlüsse auf Entwicklungspotenziale in der Organisation . Auf ihren Fragen basiert auch der Gallup Engagement Index. Danach haben nur 15 Prozent der Mitarbeiter eine hohe emotionale Bindung zum Arbeitsplatz.

Jim Harter, Ph. D., Autor des Bestseller 12: The Elements of Great Managing, über die Macht der 12 Gallup-Fragen.

Zwei dieser Fragen sind mir in unserem Zusammenhang besonders wichtig:

  • In meinem Arbeitsumfeld hat meine Meinung Gewicht.
  • Meine Kollegen / Kolleginnen fühlen sich verpflichtet und verantwortlich, Qualität in ihrer Arbeit abzuliefern.

Natürlich sind dies keine Fragen. Eine Frage wird im Interview daraus, wenn der Mitarbeiter im Fragebogen erklären muss, wie sehr diese Aussage für ihn zutrifft. Mit nur zwölf Fragen gewinnen wir mit Gallup ein exzellentes Verständnis unserer eigenen Unternehmenskultur. Zugleich können wir unsere Organisation mit ähnlichen Organisationen vergleichen und auch in Bezug auf den Stand einzelner Organisationseinheiten im Unternehmen gibt uns dieses Werkzeug wichtige Aufschlüsse.

Unsere Learnings

Führen heißt, sich selbst zurück zu nehmen. Verantwortung, Kompetenz und der Erfolg liegen im Team. Als Huhn halten wir uns aus den Lösungen heraus und überlassen die Entscheidungen den Schweinen im Projektteam. Scrum hat nicht nur die Softwareentwicklung revolutioniert. Die agilen Methoden ermöglichen uns die Bewältigung komplexester Herausforderungen in unsicherem Gelände mit vielen weißen Flecken auf der Landkarte.

Gerade digitale Herausforderungen in ursprünglich nicht digitalen Unternehmen erfordern ständiges Mitdenken, Korrigieren und einen sensiblen Umgang mit der Verantwortung der Mitarbeiter. Ein konstruktiver und wertschätzender Umgang mit Fehlern ist dabei unbedingt hilfreich. Es liegt immer im Interesse des Unternehmens, Fehler frühestmöglich zu korrigieren. Je später ein Fehler erkannt wird, desto teurer wird er. Dabei geht die Cost-of-Change-Kurve im Zeitverlauf meist exponentiell nach oben.

Cost-of-Change Kurve
Cost-of-Change Kurve (Quelle Scott W. Ambler)

Fehler müssen daher aus Unternehmenssicht unbedingt erlaubt, sogar erwünscht sein. Gerade bei Veränderungen mit vielen Unbekannten bringen uns Fehler zu ganz neuen wichtigen Erkenntnissen.

Meine Buchempfehlung zur modernen Unternehmenskultur

In dem 2015 erschienenen Buch Die Scrum Revolution vom Scrum-Mitbegründer Jeff Sutherland erläutert der Autor in einer gelegentlich amerikanisch überzogenen Art und dann wieder authentisch, was die Erfolgsfaktoren einer agilen Herangehensweise sind und warum sie so viel effizienter sind, als herkömmliche Herangehensweisen. Sutherland bezeichnet dies als Hyperproduktivität. Das Buch ist auch als Hörbuch bei Audible erschienen. Unbedingt empfehlenswert für alle, die lieber das Original als ein Abstract hören.

Meine zweite Buchempfehlung lautet 12 The Elements of Great Managing von Rode Wagner und James K. Harter. Ein spannendes Werk mit dem du für dich herausarbeiten kannst, was es braucht, um deine Kollegen erfolgreicher und engagierter zu erleben.

Habt ihr noch Buchvorschläge oder wichtige Hinweise, Quellen oder Links zum Thema? Immer her damit. Ich freue mich auf eure Kommentare.

Von Proptechs lernen

Brainstorming im Startup

Etablierte, professionell aufgestellte Unternehmen rund um die Immobilie und ihre Dienstleister starten digitale Initiativen und transformieren ihr Kerngeschäft. Sie sind dabei nicht allein. 208 Proptechs – Start ups rund um die Immobilie – zählt Jonas Haberkorn auf www.gewerbe-quadrat.de im Mai 2018. Proptech bezeichnet „an economic industry composed of companies which use technology to make real estate transactions more efficient“ lesen wir auf Wikipedia. Im angelsächsischen Raum sprechen wir dagegen meist von Rest Estate Tech Startups.

Beide Unternehmenskategorien können viel voneinander lernen und voneinander profitieren. Eines der zentralen Ergebnisse einer gemeinsamen Studie zum Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft der ZIA und Ernst & Young aus 2016 ist, dass die Proptech-Szene dazu beitragen können, den Umsatz etablierter Marktteilnehmer signifikant zu erhöhen.

Etablierte Proptechs haben unsere Branche bereits massiv verändert. Vorreiter waren der heute größte Marktplatz für Immobilien immobilienscout24.de oder Europace, der Finanzmarktplatz der Hypoport AG. Auch die Vermietung von Unterkünften über Airbnb hat unsere Branche  verändert.

Proptechs in Deutschland

Die folgenden Kategorien kennt die bekannteste Übersicht über Proptechs in Deutschland heute:

  • Immobilienportale und Marktplätze (42)
  • Immobilienvermietung und -verkauf (35)
  • Temporäre Vermietung (21)
  • 3D / AR / VR (33)
  • Datenbanken (15)
  • Datenräume (14)
  • Crowdfunding (21)
  • Smart Building/Internet of Things (40)
  • Immobilienmanagement (27)
  • Services (25)

Blick über den Teich

Während in Deutschland bis heute nur wenige Proptechs Prozesse rund um die Immobilie verändert haben, sind die Veränderungen im angelsächsischen und asiatischen Raum schon viel weiter. Omri Barzilay zählt in seinem Beitrag auf forbes .com im Januar 2018 weltweit 1.274 Real Estate Tech Startups mit einem kumulierten Investment von 33,7 Mrd. Dollar. Zu den vielversprechendsten jungen Unternehmen zählt er dabei die folgenden zehn:

  • Avail (vormals Rentalutions) bringt Mieter und bis heute 200.000 private Vermieter zusammen, stellt Werkzeuge  zur Vermietung zur Verfügung und vereinfacht die Verwaltung der Mieten.
  • Dealpath unterstützt Investoren im Transaktionsprozess. Gegründet  in 2014 meldet das Start-up mittlerweile ein kumulierten Transaktionsvolumen von 500 Milliarden. und bezeichnet sich selbstbewußt als leading deal management platform.
  • Rentberry geht sogar noch weiter als Avail und automatisiert den Vermietungsprozess mit Automatismen zur Preisfindung und digitalen Mietverträgen. 250.000 Wohnungen werden mittlerweile mit Rentberry verwaltet.
  • Einen ganz neuen Ansatz, Parkplätze optimal auszulasten und andererseits Autofahrern preiswert Parkraum anzubieten, hat WeSmartPark umgesetzt. Verfügbar ist dieser Service für Vermieter von Parkraum und Garagen in Barcelona, Madrid, Santiago und New York.
  • Workframe bringt Mieter, Vermieter, Makler, Architekten, Project Manager und Facility Manager auf ihrer Plattform zusammen. Hier lassen sich Projekte und andere Herausforderungen rund um die Immobilie gemeinsam planen und umsetzen und auch Kleinstaufträge können schlank abgewickelt werden.
  • Untermiete wird zum Geschäftsmodell mit Flip. Dabei erledigt die Plattform nicht nur die Untervermietung, garantiert dem Hauptmieter eine Miete, sondern deckt auch eine rechtssichere Abwicklung gegenüber dem Vermieter ab.
  • Nicht gefallen dürften Maklern Reali. Kaufinteressenten finden damit ihre neue Immobilien,  sie können sie virtuell und vor Ort besichtigen und viel mehr. Dabei bewirbt das Unternehmen den Ansatz mit einem Cashback von 50 Prozent auf die Maklercourtage für den Käufer.
  • Recht neu am Markt ist Bowery, eine Plattform die Prozesse rund um Gutachten und Wertermittlungen für Banken weitgehend digitalisiert.
  • Rented.com ist ein Service, der dein Zuhause vermietet, wenn du nicht zuhause bist. Dieser Service wird versüßt mit einer garantierten Miete.
  • Chromaway entwickelt seit 2014 Lösungen für Prozesse rund um die Immobilie mit Hilfe der Blockchain – eine Art virtuelles verteiltes Hauptbuch. Das schwedische Unternehmen mit Dependancen in Israel und den Vereinigten Staaten unterstützt seine Partner dabei mit einem auf die Immobilienwirtschaft spezialisierten Token und einer eigenen Middleware.

Aus dem Land des Lächelns

Einen rasanten Veränderungsprozess erlebt derzeit die chinesische Gründerszene. Lange galten Chinesen als risikoavers. Das ändert sich gerade und zwei der weltweit drei am höchsten finanzierten Proptechs kommen mittlerweile aus China. Das Silicon Valley kann sich eine Scheibe abschneiden von der Innovationskraft made in China.

Hier einige Beispiele:

  • Kaum noch erklären muss man Opendoor. Wer sein Eigenheim oder seine Wohnung aufgibt, hat oft wenig Lust, sich um den Verkauf, Renovierung und Verhandlungen zu kümmern. Opendoor ersetzt nicht nur den Makler, sondern macht gleich ein eigenes Angebot, zahlt in wenigen Tagen den Kaufpreis. Der Verkäufer kann sich nun um die Dinge kümmern, die vor ihm und nicht hinter ihm liegen. Das chinesische Startup hat Amerika längst erobert.
  • Top Unicorn in China im Real Estate Tech Segment ist der Marktplatz lianji. Hier finden Käufer und Verkäufer, Mieter und Vermieter und Anbieter von Finanzierungen zusammen und alles was rund um Vermietung und Kauf benötigt wird. Investoren von lianjia sind unter anderem Baidu und Tencent, beides wichtige digitale Ökosysteme in China.
  • Tujia.com wird oft verglichen mit AirBnb. Mit 300.000 Angeboten für Reisende ist ist tujia bereits heute global. Die Strategie dabei ist einfach: Gehe dorthin, wohin die Chinesen reisen. Chinesen in Berlin vermieten an Chinesen, die ihren Urlaub in Berlin verbringen. So gelingt auch der Sprung nach Europa und Amerika.

Ein Ausblick

Wir sehen, dass heute immer mehr etablierte Unternehmen sich an Proptechs beteiligen oder eigene, rein digitale Lösungen und neue Ökosysteme anbieten. Mit eigenen Lösungen erfolgreich zu sein ist für die Etablierten nicht einfach. Der Anspruch ist oft viel zu hoch. Klein anzufangen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ist eines der Geheimrezepte der Startups.