Hypoport kann Agil und Plattform

Das Hypoport Ökosystem umfasst Unternehmen, Portale und Angebote rund um das Versichern, Anlegen, Kaufen, Finanzieren, Bewerten, Beraten und Vorsorgen.

Was passiert da gerade  in Berlin und Lübeck? Seit dem rasanten Aufstieg der Scout-Gruppe haben sich nur noch amerikanische Plattformen und Ökosysteme erfolgreich um unsere Märkte bemüht. Fast unbemerkt entwickelt sich Hypoport zu der zentralen Drehscheibe rund um das Versichern, Anlegen, Kaufen, Finanzieren, Bewerten, Beraten und Vorsorgen. Selbstbewußt titelt die Hypoport AG dazu auf ihrer Website: “ Hypoport – agil wie ein Startup, erfolgreich seit 1954.

Ein Blick zurück

Dr. Klein hat sich in seiner sechzigjährigen Firmengeschichte früh aufgemacht und wurde in den Neunzigern zum bedeutendsten Online-Service für Baufinanzierungen. Europace startete 1999 als elektronischer Marktplatz zur Abwicklung von Finanzprodukten zwischen Finanzvermittlern, Banken und Versicherungen.

Nach der Fusion von Dr. Klein, Europace und dem Franchise System Freie Hypo zum Hypoport Konzern folgte 2007 der Börsengang und es folgte nach verhaltenem Beginn eine fulminante und von vielen nicht erwartete Erfolgsstory. Hypoport setzt mit seinen mittlerweile mehr als 1.200 Mitarbeitern konsequent auf eine Viel-Marken-Strategie und kooperiert mit strategischen Partnern mit White-Label-Lösungen, z.B. mit FINMAS und Genopace bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Die Finanzierungsplattform unterstützte zunächst Banken, Bausparkassen und Sparkassen, Finanzierungsvermittler, Immobilienmakler und Endkunden in allen Prozessen rund um die Finanzierung. Heute ist Europace die führende Transaktionsplattform für Finanzierungsprodukte, über die monatlich 35.000 Transaktionen abgewickelt werden. Der mit interhyp.de einzige ernsthafte Mitbewerber ist  Teil der ING Diba und damit nicht mehr bankenunabhängig.

Erweiterung des Geschäftsmodells

Mit zahlreichen Akquisitionen und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung vertieft das Hypoport Management rund um CEO Ronald Slabke die Wertschöpfung in diesen Prozess nun. Das Geschäftsmodell wird übertragen auf die Immobilien- und die Versicherungswirtschaft und erweitert um Services wie beispielsweise Immobilienbewertungen, Kernsysteme für Immobilienmakler, Versicherungen, Wohnungsunternehmen und Hausverwalter, Informations- und Portfoliomanagementsysteme bis hin zu Zahlungsverkehrslösungen oder Informationsdisplays für den Immobilienvertrieb bei Banken und Immobilienmaklern .

Damit wird aus dem etablierten und mittlerweile börsennotierten Fintech Hypoport jetzt auch ein Insurtech und ein Proptech, aber mit seinen sechzig Jahren auf der Uhr alles andere als ein Startup.

Das Management hinter der Erfolgsstory

Dipl.-Betriebswirt (BA) Ronald Slabke, Vorstandsvorsitzender der Hypoport AG
Dipl.-Betriebswirt (BA) Ronald Slabke, Vorstandsvorsitzender der Hypoport AG

Ronald Slabke ist der Kopf hinter der Digitalisierung von Dr. Klein. Er verantwortete Ende der neunziger Jahre  den ersten Online-Hypothekenmakler und die Weiterentwicklung der Europace-Plattform nach dem Zusammenschluss.

Dipl.-Betriebswirt Stephan Gawarecki, Vorstandsmitglied der Hypoprt AG (Quelle hypoport.de)
Dipl.-Betriebswirt Stephan Gawarecki, Vorstandsmitglied der Hypoport AG (Quelle hypoport.de)

Stephan Gawarecki baute bei FinanceScout24 den Geschäftsbereich Versicherungen auf und wechselte 2004 zu Dr. Klein. Heute verantwortet Stephan Gawarecki das Privatkundensegment bei Hypoport mit den Bereichen Versicherungen, Finanzierung und Geldanlage.

Hans_Peter_Trampe, Vorstandsmitglied der Hypoport AG
Dipl.-Kaufmann Hans Peter Trampe, Vorstandsmitglied der Hypoport AG (Quelle hypoport.de)

Hans Peter Trampe kam 2001 von der Deutschen Kreditbank zu Dr. Klein. Heute verantwortet er im Vorstand den Geschäftsbereich der institutionellen Kunden.

Was macht eine erfolgreiche Plattform aus?

Es gelingt in den wenigsten Geschäftsfeldern, dass mehrere bedeutende Plattformen in einem Ökosystem parallel bestehen. Selbst in zwei der größten Ökosysteme gelingt es nur zwei Anbietern. Im Mobilfunk  sind dies Google (mit Android) und Apple (mit iOS) und bei PC/Notebook-Betriebssystemen sind dies Microsoft und Apple. 1:0 Hypoport. Mitbewerber sind nicht ernsthaft am Horizont auszumachen.

Die zentralen Funktionen eines erfolgreichen Ökosystems sind die Vermittlung von Transaktionen (Information, Suche, Angebot, Nachfrage, Bewertung und Reputation) und das Schaffen eines datenzentrierten Gesamtsystems (Bedienung, Daten aufbereiten und bewerten, Komponenten zertifizieren, Henne-Ei-Problem auflösen). 2:0 Hypoport. Genau dieses Modell steht im Mittelpunkt und Europace wird zur Datendrehscheibe.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren hierzu sind:

  • Die Bedienung mehrseitiger Märkte
  • Ein funktionierendes Finanzierung- und Erlöskonzept
  • Die Offenheit der Plattform
  • Die Unabhängigkeit der Plattform
  • Der Kontakt zu den Marktteilnehmern
  • Die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells

Schauen wir uns das Kunstwerk Hypoport einmal in Bezug auf diese sechs Faktoren an:

  • Tatsächlich gelingt es wenigen Plattformen mehr unterschiedliche Branchen und Marktteilnehmer auf eine Plattform zu bringen. Dass wir bei Hypoport die Vermittler und Makler, die anbietenden Banken, Sparkassen, Versicherungen und Wohnungsunternehmen und dann auch noch den Privatkunden auf einer Plattform finden, ist etwas Besonderes. Dies gelingt trotz oder möglicherweise gerade wegen der Multi-Marken-Strategie.
  • Die Deckungsbeiträge der Hypoport AG liegen mit 13-15 Prozent deutlich unter denen anderer digitaler Dienstleister. Mit Blick auf deutlich sinkende Margen und schwierigste Rahmenbedingungen in der Finanz- und Versicherungswirtschaft geht es Hypoport dabei exzellent. Das Unternehmen wächst massiv gegen den Markttrend. In den Segmenten Immobilie und Versicherung fehlt es zudem an Mitbewerbern, die technologisch und vom Geschäftsmodell her auf Augenhöhe mitspielen.
  • Über White Label Produkte, getrennte Communities und organisatorische Trennung der Tochterunternehmen gelingt Offenheit, auch wenn die Anbieter oft aus den größten Wettbewerbslagern kommen.
  • Zunehmend kommen mehr Wertschöpfungsbausteine aus dem eigenen Haus und nicht von Dritten. Inwieweit beispielsweise Dritte gleichberechtigt als Anbieter einer Immobilienbewertung Gehör und Zugang finden, gilt es zu beobachten. Eine Unabhängigkeit finden wir mittlerweile wohl nicht mehr durchgängig.
  • Beeindruckend ist, wie Europace den Kontakt zu ihrer Community pflegt. Seit vielen Jahren ist die Dr. Klein AG und die Europace auf unterschiedlichsten Veranstaltungen der Hypoport und der Verbände Gastgeber, Dauergast, Dauerredner, Dauersponsor und Dauerpartner.  In die Wohnungswirtschaft und die Finanzwirtschaft besteht ein exzellenter Kontakt. Entwicklungspotenzial gibt es diesbezüglich wohl noch in der Versicherungswirtschaft.
  • Skalierbarkeit ist grundsätzlich erst einmal gegeben. Der technische und organisatorische Integrationsaufwand der vielen Akquisitionen und der damit verbundenen Produkte aus der Gruppe ist jedoch erheblich. Perspektivisch ist weit und breit aber niemand zu sehen, der vergleichbar mit Hypoport einen großen Teil der Wertschöpfungskette seiner Partner abdeckt und dabei so viele unterschiedliche Anknüpfungspunkte für gegenseitige Mehrwerte zwischen den einzelnen Lösungen hat.

Also nur zwei Wermutstropfen: Marge und die offenen Integrationsthemen für ein durchgängig skalierbares Geschäftsmodell haben noch Luft nach oben. 8:2 Hypoport. Ich ziehe meinen Hut. Das Management macht vieles richtig.

Europa fährt nur Holzklasse

Daumen nach oben also erst einmal für Hypoport. Bei einem nationalen Vergleich kommt das 60 Jahre alte Fintech immer noch sehr gut weg. Doch den Takt geben andere an. Europa fährt weit hinterher im internationalen Vergleich und es ist nicht ausgeschlossen, dass Afrika demnächst an Europa vorbei zieht. Der bekannte Netzökonom Holger Schmidt bezeichnet dies als die Unwucht der Plattformökonomie.

Die Unwucht der Plattform-Ökonomie (Quelle platformeconomy.com)
Die Unwucht der Plattform-Ökonomie (Quelle Dr. Holger Schmidt netzoekonom.de)

Wie besonders das Vorgehen der Hypoport AG ist, zeigt das dramatische Ergebnis einer repräsentativen Unternehmensbefragung von Bitkom Research aus Februar 2018. Nur 2 von 100 Dienstleistungsunternehmen betreiben eine eigene Plattform, über die Hälfte der Befragten kann mit dem Begriff nichts anfangen.

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Hypoport auf Expansionskurs

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Hypoport auf Expansionskurs

Im Quartalsbericht Q1 2018 erläutert Slabke die jüngsten Akquisitionen. Bei mir kommt dabei fast das Gefühl auf, dass das Management die Vision der führenden ganzheitlichen Plattform rund um das Finanzieren, Bauen, Kaufen, Verkaufen, Vorsorgen, Bewerten, Beraten und Versichern wie mit Legobausteinen umsetzt.

Insbesondere die Produkte für institutionelle Kunden profitieren von den Produkten der Value AG und der Fio AG. Die Value AG rundet die Kompetenzen rund um das Bewerten für die Hypoport-Plattform nach oben ab. Die bereits 2016 akquirierte HypService GmbH hat ihren Schwerpunkt im Segment Verbraucherdarlehen. Die Value AG hat ihre Stärken in Markt- und Verkehrswertgutachten sowie komplexen Portfoliobewertungen.

Synergien ergeben sich da zunächst zu den Produkten der Dr. Klein Firmenkunden AG, wie beispielsweise mywowi, einem Management Informationssystem für die Wohnungswirtschaft.

Auch auf den Erfolg der 2018 übernommene Fio AG zahlt diese Akquisition ein. Das neue cloudbasierte ERP Produkt für die Wohnungswirtschaft Axera ist neben dem neuen SAP-Produkt Cloud for Real Estate (C4RE) die mit Abstand modernste Lösung für Wohnungsunternehmen und Hausverwalter. Beide Lösungen decken noch nicht alle Prozesse der Wohnungswirtschaft ab, haben aber deutliche Vorteile in der Architektur. Prozesse lassen sich einfacher, effizienter und schneller  digitalisieren und die Wettbewerbsprodukte sind technologisch durchweg überaltert.

Die Vermarktungsinstrumente der Fio sind bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken weit verbreitet. Die Synergien mit den Europace Ablegern Genopace für Genossenschaftsbanken und Finmas für Sparkassen liegen dabei auf der Hand. Die komplette Wertschöpfungskette von der Vermarktung mit den Werkzeugen von Fio, der Bewertung mit nun Deutschlands größtem Immobilienbewerter (HypoService und Value AG), Vertrag, Hintergrundsystem und Finanzierung gibt es nun aus einer Hand und auch größere Transaktionen kann Hypoport mit der Value AG nun unterstützen.

Hypoport Quartalsreporting 2018Q1 (Quelle hypoport.de)
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Langfristig sind die Ziele des Unternehmens durchweg ambitioniert. Im Versicherungsgeschäft sollen in zehn Jahren zehn Prozent des Policenbestandes (heute 200 Mrd. Prämienvolumen) über Hypoport abgewickelt werden. In den anderen Bereichen zeigen die Umsatzzahlen ebenfalls deutlich nach oben bei durchweg positiven Margen.

Hypoport kann Win-Win-Win

Was macht Hypoport anders? Aus meiner Sicht versteht sich Hypoport insbesondere darauf, die Prozesse und Bedürfnisse aller Seiten abzubilden. Alle Beteiligten profitieren von der neuen Dimension der Effizienz, der Geschwindigkeit und des Zusammenspiels.

Lücken sind diesbezüglich beim Privatkunden auszumachen. Im Gegensatz zu den ausgereiften Tools für private Immobilienkäufer machen die Produkte zum Vergleich und Abschluss von Versicherungsprodukten (iSniver) einen unausgereiften Eindruck. In das Portal von vergleich.de sind sie ebenfalls noch nicht integriert. Und auch dieses Portal erreicht seine Zielgruppe nur eingeschränkt. Im Google Pagerank für Begriffe wie Baufinanzierungen oder Kredit kommt vergleich.de nicht einmal unter die Top 100.

Hat das System? Ein großer Teil der Unternehmen, die im Google Pagerank besser positioniert sind als vergleich.de, sind Kunden und Partner von Hypoport. Auch die Versicherungen und Versicherungsmakler müssen die Marke iSniver derzeit nicht fürchten. Aktuell ist nur eine Autoversicherungs-App verfügbar und die ist für Privatkunden denkbar ungeeignet.

Hypoport kann agil

Für einen etablierten sechzig Jahre alten Player rund um Finanzen, Versicherung und Immobilie ist Hypoport heute ein immer noch oder wieder erstaunlich junges, modernes Unternehmen.  In vielen Bereich wird eine offene und positive Du-Kultur gelebt.  Die versprochene und die gelebte Unternehmens- und Führungskultur weichen deutlich weniger voneinander ab als in vergleichbaren Unternehmen.

Vergleichen wir die beiden großen Player rund um Portale, so kommt Hypoport bei den Mitarbeitern deutlich besser weg als Scout24. Scout24 kommt beispielsweise bei kununu.de, dem Portal für Arbeitgeberbewertungen, nur auf einen Score von 3,40 und eine Weiterempfehlungsquote von 41 Prozent. Hypoport kommt auf 4,20 und 83 Prozent Weiterempfehlungsquote. Mehr als ein Klassenunterschied für zwei Unternehmen, die sich gerne als mitarbeiterzentrierter, agiler, moderner und familienfreundlicher Arbeitgeber sehen.

Hypoport kununu
Hypoport bewertet bei  kununu (Quelle kununu.de)

Die Analysten sind begeistert

Offen wird die im Kleinwertesegment SDAX gehandelte Hypoport AG mittlerweile als Kandidat für höhere Weihen gehandelt (Handelsblatt 4.10.2017). Trotz vieler Investments steigert Hypoport Umsatz und Ergebnis und auch die Marge. Gegenüber dem DAX liegt Hypoport auf Jahresfrist zwanzig Prozent vorne.

Hypoport schlägt DAX im Performance Vergleich um 20 Prozent
Quelle Handelsblatt

Ein skalierbares digitales Geschäftsmodell und der Ausblick, dass Hypoport Ordnung in den Flickenteppich veralteter Produkte für Versicherungen bringt, erfreuen die Börsenanalysten und treiben die Phantasie. Mit Blick auf zurückgehende Margen für Makler und Vermittler und damit einem zunehmendem Druck effizienter zu werden, ist dies wohl zu erwarten. (www.maklerkonzepte.de am 12. Januar 2017).

Ich bin beeindruckt. Wie bewertest du die Strategie der Hypoport AG und wo siehst du ihre Stärken und ihre Schwächen? Ich freue mich auf deine Rückmeldung.